Warum läufst Du davon Maus?

Es war einmal eine kleine Maus. Sie lebte wie alle Mäuse; immer vorsichtig, immer auf der Suche nach Futter, immer mit der Nase voraus.
Eines schönen Tages ließ sie sich unter einer Fichte nieder, die Sonne wärmte ihren Pelz und sie wurde schläfrig. Gerade als ihr die Augen zufielen, hörte sie es mit einem Mal entsetzlich rummsen. Erschrocken sprang sie auf, ihr Herz raste, aber sehen konnte sie nichts. Was mochte das gewesen sein? Etwas schreckliches? Riesiges? Unsichtbares?

Foto: LNLNLN @ pixabay.de

War das der Beginn vom Untergang der Welt? Stürzte der Himmel ein?

Was sonst sollte die Maus tun, als schnell davonlaufen!?

Sie rannte und rannte. Da kam sie an einem Hasen vorbei. Verwundert blickte er die Maus an, die wie um ihr Überleben rannte, ohne dass er einen Fuchs oder so etwas hätte sehen können.

„Na nu, Maus, was rennst du so?!

„Ich.. Ich habe es rummsen hören. Der Himmel stürzt ein!!!“, schrie die Maus im Vorbeirennen.

Was sollte der Hase da anderes machen als mitrennen. Die beiden rannten und rannten. Da begegnete ihnen das Reh. Verwundert blickte das Reh die zwei Läufer an.

“ Komm mit!“, schrie der Hase “ Schell, die Welt geht unter!“

Und wie das Reh rannte!

Sie kamen noch an einem Fuchs, einem Wildschwein, einem Marder und an einem Hirsch vorbei. Und alle rannten sie mit, sie rannten auch weiter, als sie schön völlig außer Atem waren, ja ihre Angst schien sogar immer größer zu werden.

Da endlich liefen sie über die Bärenwiese und der große Bär stellte sich ihnen in den Weg. Hier bei dem großen Bären, der so stark war, wagten sie kurz zu verschnaufen.

Foto: Janco Ferlič @ unsplash.com

„Na, Na! Was rennt ihr denn alle so? Wer ist denn hinter euch her?“, fragte der Bär mit seiner tiefen Stimme.

„Ich renne, weil der Marder rennt“, sagte der Hirsch; “ Der Himmel stürzt ein!“

“ Und du, warum rennst du?“ wandte sich der Bär an den Marder.

Der rannte natürlich, weil das Wildschwein rannte, und das rannte, weil der Fuchs rannte und so weiter und so weiter. Sie alle waren so gelaufen, weil sie Angst bekommen hatten.

Schließlich fragte der Bär die Maus, warum sie denn glaubte, dass der Himmel einstürzte.

Keuchend berichtete ihm die Maus, dass sie ein schreckliches Geräusch gehört hatte, und deshalb losgelaufen war.

„Kommt!“ sprach da der Bär “ Wir gehen nachsehen!“

Die Tiere wollte nicht recht, aber weiterrennen konnten sie jetzt irgendwie auch nicht mehr.

Als sie bei der Fichte anlangten, schien noch immer die Sonne, alles war ruhig. Sie blickten sich um und konnten nichts ungewöhnliches entdecken. Endlich nahm der Bär einen Fichtenzapfen und ließ ihn von hoch oben auf den Boden fallen.

„Hat es ungefähr so geklungen?“

Beschämt nickte die Maus.

Foto: Alexas_Fotos @ pixabay.de

„Siehst du, kleine Maus. Es war schon richtig, dass du Angst hattest. So ein Zapfen könnte dich leicht erschlagen. Aber der Himmel stürzt noch lange nicht ein! Angst ist etwas gutes, sie macht uns vorsichtig. Aber die Angst vor der Angst, die macht uns blind und verhindert, dass wir sehen können, worauf es ankommt“

Die Tiere schwiegen und jedes schwor sich die Worte des Bären gut in Erinnerung zu behalten.

Adaption von einem afrikanischen Märchen von Lynn Lausen

Aufgrund der Corona-Krise haben wir das Wilde Kinder Programm für alle geöffnet. Jeder kann sich kostenlos registrieren und am Fuchs-Modul teilnehmen. Für alle in Quarantäne steht das Corontäne-Modul bereit mit Abenteueraufgaben die im und rund um’s Haus erlebt werden können. Jeden zweiten Tag wird Dir eine neue Abenteueraufgabe freigeschalten als Inspiration was Du mit Deinem Kind machen kannst.

Gedanken zu dieser Geschichte  

Am Anfang ist wirklich eine Gefahr. Ja eine echte Lebensgefahr für die Maus. Vielleicht auch ihre Angst vor dem Tod.  

 

Und dann folgt die Geschichte der Panik. Ich habe Angst vor der Panik. Ich weiß, dass sie uns blind und auch unklug macht. Wenn wir in Panik sind, hören wir unsere innere Stimme nicht mehr und glauben was uns gesagt wird. Leicht lassen wir uns herumtreiben, nach links oder nach rechts.

Aber da ist noch der Bär. Der Bär ist unsere innere Stimme. Das in uns was groß und besonnen ist, was ruhig ist und verbunden mit unserer tiefen Weisheit, unserer Stärke und unserer wahren Größe.

Es gibt viele Möglichkeiten in Kontakt mit dieser inneren Stimme/Größe zu kommen. Manchmal läuft sie uns einfach über den Weg. Aber es hat sicherlich auch fast jeder Wege gefunden, wie er/sie sie besser hören kann. Vielleicht beim Spazieren gehen, im Wald, beim Meditieren, in der Stille, beim aus dem Fenster schauen oder beim Beten, beim Lesen bestimmter uns hilfreicher Texte oder in einem guten Gespräch, beim ernsthaften Blick in den Spiegel oder unter der Dusche.

Wir alle tragen mindestens die Größe eines Bären in uns. Wir wissen was unsere schönste und großartigste Version von uns selbst ist. Und das kann uns helfen, nicht mitzurennen. Das ist das was uns und allen um uns herum Kraft und Mut gibt. Das ist das wonach wir uns richten sollten!

Natürlich haben wir auch eine Maus in uns. Und diese Maus hat auch ihre Berechtigung. Ja da ist etwas das uns Angst macht und das ist auch in Ordnung so. Vielleicht zeigt uns diese Angst unsere größte Angst. Die Angst vor dem Tod? Es führt kein Weg an dieser Angst vorbei. Das ist etwas was wir uns alle ansehen müssen. Ja, irgendwann werden wir sterben und unser Liebsten auch. Das ist so. Davor können wir nicht wegrennen.

Aber genau das macht die Sonnenstrahlen, den Geruch des trockenen Grases, den Gesang der Vögel und das ganze Leben so wunderschön und kostbar.

 

Danke Maus und Danke Bär!

 

Titelbild: Alexas_Fotos @ pixabay.de

 

Folgenden Artikel aus dem Online-Magazin Republik möchte ich Euch noch an’s Herz legen: https://www.republik.ch/2020/03/07/im-fall-von-panik-lesen-sie-diesen-beitrag

 

4 replies on “Warum läufst Du davon Maus?”

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