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Wie Barfußgehen die Entwicklung deines Kindes unterstützt

Wie oft ich selber als Kind Barfuß unterwegs war, daran kann ich mich nicht mehr erinnern. Fakt ist jedenfalls, dass ich, da ich in einer Großstadt aufgewachsen bin, oft Schuhe anhatte da das Barfußgehen auf Asphalt nicht so angenehm war. Ich weiß aber, dass ich oft über die warmen Monate “Schlappen” an hatte. Also sowas wie Sandalen, nur ohne dem Gurt der den Schuh an der Ferse fixiert. So konnte ich jederzeit mit meinen Zehen den Boden berühren und das tat ich tatsächlich sehr gern.

Heute gehe ich am liebsten Barfuß. Das Gefühl, dass meine Fußsohlen die Erde berühren und die Gräser meine Zehen kitzeln, ist für mich mit Lebensqualität verbunden. Socken und Schuhe empfinde ich in den wärmeren Monaten als echtes Gefängnis und es macht für mich keinen Sinn meine Füße damit zu quälen.

Kinder nehmen die Einladung Barfuß zu gehen oft mit großer Freude an. Bei unseren Wildnisprogrammen ist es zumeist eine der ersten Dinge die Kinder tun sobald sie bei uns sind: raus aus den Schuhen!

Jeder von uns kennt Eltern denen es enorm wichtig ist, dass ihre Kinder Socken und Schuhe anziehen. Nur warum machen wir das so? Macht das wirklich Sinn?

Was ist dran an dem Mythos, das Barfußgehen und kalte Füße für eine Erkältung sorgen?

Wir zwingen unsere Kinder in Schuhe und scheinen dabei vergessen zu haben, das Füße empfindungsfähig sind und uns wesentlich im Alltag unterstützen. Unsere Füße sind nicht nur zum Gehen (was an sich ja schon ein spannender Prozess ist). Unsere Zehen, die Sohle, die Ferse, der Ballen sind wie ein eigenes Sinnesorgan dass uns den Boden wahrnehmen lässt. Mit 1300 Nervenenden pro Quadratzoll (ca. 6,5 cm²) ist die Fußsohle damit das mit am dichtesten ausgestattete Körperteil unseres Körpers[1]. 26 Knochen, 100 Muskeln, Sehnen und Bändern sowie 33 Gelenken machen den Fuß zu einem echten Wunderwerk mit dem wir schleichen, rennen, springen, klettern und den Boden “lesen” können.

Soweit nachvollziehbar, haben wir Menschen uns schon immer Schuhe angefertigt um unsere Füße zu schützen. Vor allem im Winter wegen Frost oder wenn wir über längere Zeit in unwegsamen Gelände unterwegs waren. Das Barfußlaufen ist wohl aber die natürlichste Art unserer Fortbewegung[2] und hat einige Vorteile. Denn durch den direkten Kontakt zum Boden könne wir den Untergrund ohne Barriere wahrnehmen und unser Körper unmittelbar reagieren. Ein Umknicken ist daher bspw. nahezu unmöglich, weil wir ein schiefes auftreten bzw. “Stolperfallen” viel frühzeitiger und deutlicher bemerken.

Das Barfußgehen hat eine lange Liste an Vorteilen die du sehr rasch selber machschlagen kannst. Bei Kindern führt häufiges Barfußgehen zu einer gesunden Entwicklung der Fußmuskulatur und der Zehenstellung was das Risiko von Senk-, Spreiz, Platt- und sonstigen Fußfehlstellungen deutlich verringert. Und wir alle kennen die berüchtigten Kneipptherapien und Barfußpfade die inzwischen schon in jeder guten Rehaklinik einen Platz bekommen haben.

Barfußlaufen verbessert Sensorik, Koordinationsvermögen und Gleichgewichtssinn. Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass ein reines Sensoriktraining für die Fußsohle bei Grundschulkindern hochgradige Verbesserungen in der Gesamtkörperkoordination bewirkt.[3] Barfußlaufen regt die Durchblutung der Füße und Beine an, fördert damit den Kreislauf und senkt den Blutdruck, was wiederum zur Entspannung beiträgt, Stress abbaut, die Konzentration steigert und die Stimmung hebt. Ich empfehle daher mal allen Grundschullehrern, Hortleitern und Erziehern den Kindern die Möglichkeit einzuräumen Barfuß unterwegs zu sein.

Kalte Füße führen nicht gleich zu Erkältungen oder Blasenentzündung. In beiden Fällen sind dafür Bakterien oder Viren verantwortlich. Sind unsere Füße jedoch über längere Zeit schlecht durchblutet und kalt, wirkt sich das logischerweise auf unser Immunsystem aus und besagte Krankheitserreger bekommen eine höhere Chance zuzuschlagen.

Barfußgehen unterstützt die Gehirnentwicklung

Neben den bisher genannten Vorteilen, scheint es so, dass Barfußgehen ausserdem die Gehirnentwicklung unserer Kinder positiv unterstützt. Darüber wird an vielen Stellen geschrieben, eine eindeutige Studie konnte ich bislang aber nicht finden. Allein der gesunde Menschenverstand jedoch lässt einen nickend Zustimmen, dass bei so viel sensorischer Wahrnehmung wie durch die Fußsohle möglich, dies freilich auch zu entsprechend neuronalen Verbindungen im Gehirn führt. Diese Verbindungen die ich an dieser Stelle auch als “Gehirnmuster” bezeichnen möchte, sorgen schließlich dafür, dass unsere Kinder einen sicheren Tritt, eine ausgeprägte Balance und einer erweitere Wahrnehmung haben.

In unseren Wildnisprogrammen laufen die Kinder so gut wie immer Barfuß (vor allem von Spätfrühling bis Herbst). Sie alle lernen bei uns, neben dem berühmten Fuchsgang (den Kleinkinder ganz automatisch machen), Gangarten die es ihnen ermöglichen leise, schnell, in Zeitlupe und vor allem sicher Barfuß im Gelände unterwegs zu sein.
So wie wir das Fahrradfahren als Muster abspeichern und so unser ganzes Leben Fahrradfahren können, so können die trainierten Füße in Verbindung mit neuronalen Verbindungen dafür sorgen dass wir mit einer gesunden Haltung, ausgeprägten und sicherem Tritt sowie trainierten Gleichgewichtssinn durch’s Leben gehen.

Wünschen wir uns das nicht für unsere Kinder?

Raus aus den Schuhen!

Regelmäßiges Barfußgehen führt auf jeden Fall dazu, dass es zu einer angenehmen Angewohnheit wird. Es fühlt sich einfach richtig gut an Barfuß zu sein.
Der weiche, von Nadeln bedeckte Waldboden, das klare Wasser eines Baches und das Balancieren von einem Stein zum nächsten wenn man einen solchen überquert, das Gras oder weiches Moos das zwischen den Zehen kitzelt, das raschelnde Laub, die weiche Erde, die unterschiedlichen Temperaturen von sonnigen oder schattigen Flächen, eiskalte schwitzige Steine die man im Hochsommer im Wald findet, Schnee der unter den Fußsohlen schmilzt, die Baumrinde wenn man auf einem umgestürzten Baum balanciert … und bei all dem noch überschüssige elektrische Spannung aus dem Körper leiten, so wie Earthing-Experten[4] erzählen.

Was Barfußgehen mit uns macht darf ich regelmäßig in meinen Camps und Kursen sehen. Wissenschaftliche Belege dafür finde ich toll, sind für mich jedoch nicht maßgeblich. Ich vertraue meinem gesunden Menschenverstand und meinem Gefühl dass mir deutlich sagt: Barfußgehen tut mir gut und macht Spaß!

Wenn also Barfußgehen noch kein normaler Zustand bei Euch ist, dann probiert es doch einfach mal aus! Zum Beispiel bei einer der nächsten Abenteueraufgaben aus unserem Wilde Kinder Programm.

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Quellen:
[1] http://refs.ahcuah.com/papers/rossi03.htm
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Barf%C3%BC%C3%9Figkeit
[3] Prätorius, Milani, Ulfig & Schmitz: Barfuss gegen Koordinationsstörungen. In: motorik. 29. Jahrgang, März 2006, S. 21–24
[4] https://blog.paleosophie.de/2015/07/31/fehlt-uns-die-richtige-erdung/
Foto: Jordan Whitt @unsplash
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2 Kommentare
  • Avatar
    Dhana
    Veröffentlicht am 7. Juni 2018 at 13:38

    Also in der Wiese oder im Wald ist das ja verständlich, aber meine Buben ziehen grad in der Stadt auch ständig die Schuhe aus … abseits von Dreck, mit dem ich leben kann … wie ist das für die Gelenke? Dhana

    Antworten
    • Avatar
      Arne
      Veröffentlicht am 7. Juni 2018 at 14:09

      Hej Dhana. Das ständige Schuhe ausziehen hat bei Deinen Buben vielleicht den gleichen Grund wie bei mir (sowie allen weiteren Kindern und Menschen die ich kenne). Es ist meist einfach eng und zu warm im Schuh. Daher trage ich zur warmen Zeit einfach Schlappen und/oder gehe Barfuß.

      Auf Asphalt gehen kann anstrengend sein für Füße und den Rest des Körpers. Dabei kommt es ganz sicher auf die Intensität und die Dauer an. Und auch auf die Gangart! Beim Absetzen des Fußes über den Ballen ist das viel weniger ein Problem, als wenn wir ständig über die Hacke laufen, denn dadurch vibriert unser ganzes Skelett.

      Das kannst Du ganz leicht selber rausfinden indem Du Dir in jedes Ohr einen Finger steckst (also sie verschließt) und dann “normal” gehst, also die Hacke zuerst aufsetzt. Wiederhol das dann und gehe so dass Du zuerst den Fußballen aufsetzt. Der Unterschied denn Du wahrnehmen wirst ist enorm! Und macht m.E. auch sichtbar was das Hackengehen mit Gelenke und dem ganzen Knochenaparat macht. Das ganze wirkt sich auch auf den Rücken aus! Daher schüttel ich sehr häufig mit dem Kopf wenn ich Jogger auf der Straße sehe, denn die Laufen ja die ganze Zeit über die Hacke und dass dann auch noch auf Asphalt. Ich habe da meine Zweifel ob das dauerhaft gesund ist…

      Wir haben uns einfach an das Fersengehen gewöhnt. Ich denke wenn die Kinder einfach immer wieder zwischendurch auch den Fersengang machen und damit die Gelenke entlasten, sollte das gut gehen. Ich bin aber kein Arzt oder Orthopäde. Würde mich interessieren was die dazu zu sagen haben…

      Das ist ganz interessant noch dazu zu lesen: https://www.dasein.at/bewegung/barfuss-gehen

      Danke für’s reinlesen und kommentieren!
      Arne

      Antworten

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